Eurythmievorstellung Salome und Johannes in der Waldorfschule Heilbronn
Im Februar 2006 war das Projektensemble der Freien Eurythmiegruppe Stuttgart unter der künstlerischen Leitung von Elisabeth Brinkmann schon einmal in der Waldorfschule Heilbronn zu Gast. Mit Motiven aus der Göttlichen Komödie von Dante Alighieri hat sie die begeisterten Zuschauer mit Dante und Virgil durch Hölle und Purgatorium in den Himmel geführt. Die Heilbronner Stimme berichtete damals u.a. „Verstärkt wird die Darstellung durch Klangeffekte, die Brigitte Beidek an schmiedeeisernen Gongs und Stäben erzeugt sowie durch den der Gregorianik ähnlichen Gesang von Monika Mayr-Häcker (Komposition von Prof. Lorenz Stolzenbach). Die Eleganz der fließenden Armbewegungen und das fast schwebende Gleiten (der EurythmistInnen) über die Bühne schaffen eine dichte mystische Atmosphäre, die vergangene Bilder in die Gegenwart rückt. Der Eindruck auf das Publikum ist so stark, dass es im Stehen minutenlang applaudiert.“
Im Jahr 2007 hat dann das Ensemble ein neues Projekt erarbeitet. Salome und Johannes, ein Gralsmysterium nach „Salome“ von Oscar Wilde, das am 7. Februar 2009 im Festsaal der Waldorfschule Heilbronn aufgeführt wird. Wieder mit Musik von Professor Stolzenbach, ausgeführt von Brigitte Beidek, Arndt Bay und Monika Mayr-Häcker.
Das Drama Oscar Wildes greift die Geschichte der Enthauptung von Johannes dem Täufer auf, welche ursprünglich im Matthäus- und Markus-Evangelium beschrieben wird. In der Vorstellung wird sie künstlerisch ausgearbeitet durch die Begegnung zwischen Salome und Johannes, der gefangen gehalten wird in der Bergfestung Machärus, der Wirkungsstätte der Zauberin Herodias, der neuen Gemahlin des Herodes. Sie, Herodias, ist die eigentlich schwarz-magische Kraft, die Salome wie ein willenloses Instrument benützt. Sie will Johannes vernichten, weil er sie wegen ihrer blutschänderischen Ehe mit Herodes verflucht hat.
Salome verliebt sich in Johannes, sie spürt seine geistige Kraft und betet ihn an. Der Prophet weist Salome zurück und verflucht ihre Mutter Herodias. Umso mehr begehrt Salome, ihm zu begegnen. Herodes besucht ihn nachts heimlich in seinem Kerker, um seinen Worten zu lauschen.
Herodes verliebt sich in seine Stieftochter und verlangt, dass Salome für ihn tanzt. Erst als er verspricht, ihr alles zu geben, was sie haben möchte, sogar die Hälfte seines Königsreichs, erfüllt sie seinen Wunsch. Nach dem Tanz fordert Salome (nach der Bibel auf Geheiß ihrer Mutter Herodias) den Kopf des Johannes. Obwohl Herodes den heiligen Mann fürchtet, muss er sein Versprechen einlösen. Salome küsst den abgeschlagenen Kopf des Johannes und wird daraufhin von Herodes zum Tode verurteilt.
Die Freie Eurythmiegruppe hat sich bei der Bearbeitung des Dramas die Fragen gestellt,
welche Bedeutung das Geschehen um den Tanz der Salome für das Gralsmysterium hat,
wo die Urbilder, wo die überzeitlichen und räumlichen Zusammenhänge sind und
ob sie die geisteswissenschaftliche Bedeutung dieses Dramas künstlerisch sichtbar und erlebbar machen kann.
Mit ihrer Interpretation des Themas, aber mit Hilfe der poetischen und bildhaften Sprache Oscar Wildes, gibt sie der Rolle Johannes des Täufers mittels der (stummen) Eurythmie eine größere, geistig allumfassendere Bedeutung bei, als es Oscar Wilde getan hat. Dadurch stellen Gral (Johannes) und Antigral (Herodias/Salome) eine Polarität dar, die sehr stark in der heutigen Menschheit lebt und nicht zeit- und ortsgebunden ist.
Bei der Aufführung versucht die Eurythmie die Kräfte, die in ihr und den Menschen leben, in die Sichtbarkeit zu bringen.
Jede Hauptrolle hat ihren eigenen Sprecher; gemeinsam sprechen diese an markanten Stellen im Chor.
Die Bleffertschen Klanginstrumente eignen sich vorzüglich dazu, die Grenze des Sinnlichen zu überschreiten und in kosmische Dimensionen vorzudringen. Sie repräsentieren Johannes. Orientalische und afrikanische Schlaginstrumente verkörpern das Diesseits und damit Herodias/Salome.
Gesang wird an allen Stellen des Dramas erklingen, wo erhöhte Ereignisse (z.B. Evangelientexte) besonders hervorgehoben werden.
Auch in der Beleuchtung herrscht die Polarität - Sonnen- und Mondenstimmung - Johannes im Kerker und der Palast des Herodes.
Eine Stunde vor der Eurythmieaufführung hält Marcus Schneider aus Basel einen einführenden Vortrag unter dem Titel "Gral und Anti-Gral im Geschehen um Salome".
Der Besuch dieses Vortrags ist aber nicht Voraussetzung für den Besuch der Eurythmievorstellung.
Veranstalter sind die Anthroposophische Gesellschaft - Justinus-Kerner-Kreis Heilbronn - und der
Verein der Förderer der Freien Waldorfschule Heilbronn e.V.
Gerhard Kroeker